


Neulich sagte eine Bekannte zu mir: "Tantra, das ist doch einfach nur ein anderer Begriff für Ficken, aber spirituell verpackt." Eine Freundin assoziierte mit dem Wort Tantra: "Da liegt eine Horde Nackter und schmiert sich mit Sahne ein und alle lecken es ab." Mittlerweile lässt sich der Begriff auch gut im Prostitutionsgewerbe vermarkten. In Berlin sah ich neulich über einem Puff ein rot leuchtendes Schild mit der Aufschrift TANTRA.
Das hat für mich auf den Punkt gebracht, warum es mir immer schwerer fällt, den Begriff Tantra in den Mund zu nehmen. Und doch gibt es meiner Ansicht nach keinen anderen Weg, als das alte tantrische Wissen wieder in unsere Partnerschaft zu integrieren, um die tiefe Wunde zwischen Mann und Frau zu heilen. Die tantrische Lehre ist die einzig mir bekannte spirituelle Richtung, die den Körper mit seinen Sinnen als Tor zu einer spirituellen Verwirklichung benutzt. Die sexuelle Energie wird als lebensspendende Kraft verstanden, durch die wir auf die Welt gekommen sind. Sex an sich ist eine völlig unschuldige Energie. Durch unsere christliche Vergangenheit haben wir eine Spaltung zwischen Herz und Sex vollzogen, die in jedem von uns Schuld- und Schamgefühle hinterlassen hat.
Missbrauch, Vergewaltigung,
Prostitution und Pornographie sind der krankhafte Ausdruck dieser Spaltung.
Alles in den Schatten verdrängte wird hässlich.
In abgeschwächter Form trägt Jeder von uns diese Trennung der Sexualität von der Liebe in sich. Wir benutzen Phantasien und sind durch unsere Orgasmusfixierung eher in der Zukunft, als bei unserem Partner. Wir benutzen auf sehr subtile Weise unseren Partner für unseren Lustgewinn und brauchen immer stärkere Reize, um unser sexuelles Interesse aufrecht zu erhalten. Wir spüren, dass uns diese Art von Sex eher trennt, als verbindet. Die Spaltung von Sex und Herz macht es in der heutigen Zeit für Mann und Frau sehr schwer, wirklich zueinander zu finden und einen heilsamen, körperlichen Kontakt miteinander zu leben, obwohl die Sehnsucht danach auf beiden Seiten groß ist. Es führt dazu, dass in vielen langjährigen Partnerschaften trotz Liebe die sexuelle Anziehung verloren geht. Weder die sexuelle Revolution, noch die Emanzipation der Frau hat die tiefen Wunden in unserer Sexualität heilen können. Sexualität ist eine Sache des Verstandes geworden; wir wissen nicht mehr um die Weisheit des Körpers und die eigentliche Schönheit der Verbindung des Männlichen mit dem Weiblichen.